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Montag, 06. Februar 2012
Über Uns
Tango ist nicht nur Erotik, für manche scheint er eine Obsession zu sein. Dieser Eindruck lässt sich gewinnen, wenn man in einer lauen Nacht in Bremens offenen Tango-Treffs unterwegs ist. Die Szene an der Weser zählt rund 1.500 Tänzerinnen und Tänzer.

 

Salon del Norte - Christine Jacob

 

 

...."Tango ist ein Weg", sagt Christine Jacob, rdie ich dann später traf. Sie fasziniert de Tango schon seit 20 Jahren. Die Fünfzigjährige ist auch so eine Art Leitfigur der Bremer Tango - Szene. Ja, so etwas gibt es: Eine Tango - Szene mitten im hohen Norden Deutschlands, die ihre Sehnsucht nach innigster Begegnung im latein-amerikanischen Tanz zelebriert. Um genau zu sein, handelt es sich sogar um eine Bremer und Oldenburger Szene. Mit dem  Standard-Tango des deutschen Tanzparketts habe das allerdings nichts zu tun, darauf weist Christine nachdrücklich hin.
Der Tango Argentino entstand Ende des 19. Jahrhunderts in Buenos Aires, im Hafenviertel La Boca, das überschwemmt war von Immigranten aus Europa. Aus der Milonga - eine fröhliche Mischung aus afrikanischer, kreolischer und spanischer Musik - wuchs nach und nach der Tango der Armen, den die wehmütigen und enttäuschten Einwanderer prägten. Im Tanz drückten sie ihre Sehnsucht aus. "Tango: ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann", so beschrieb einer der ganz Großen des Tango, Enrique Santos Discèpolo, diese in Bewegung umgesetzte Musik. Als anrüchig galt der Tango lange Zeit, in Europa wie auch bei der argentinischen Elite. Bis die Pariser Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts diesen Tanz für sich entdeckte...
Aber zurück zu Bremen: Auf 1.500 Leute schätzt Christine Jacob den Kern der Tango-Szene. "Entweder man verfällt ihm oder man merkt schnell, dass dieses intensive Zulassen von Körper- und Seelenausdruck nichts für einen ist", konstatiert Christine. Sie gehört eindeutig zur ersten Kategorie. Drei "Tango-Lokale" hat die Bremerin schon eröffnet: Das La Cita, das Tanguero und den Salon del Norte. Die beiden ersteren musste sie nach Jahren schließen. 
Geblieben ist der Salon in Vegesack. Denn, so erklärt Christine, die Szene erlebt natürlich auch ihre Hochs und Tiefs. Wenn man vor fünf Jahren noch jeden Tag im Viertel Tango tanzen konnte, beschränkt sich das heute auf dreimal die Woche. Dazu gehört das Lagerhaus, Schildstraße und das La Milonga in der Stader Straße. Auch im Goethe-Theater findet einmal im Monat ein Tango-Abend statt. Die Tango-Lehrerin, die in ihrem Bremernorder Salon auch 
die Grundformen (es gibt keine festgelegten Figuren) unterrichtet, ist eine Verfechterin der "offenen Orte" für Tango. Dieser Tanz gehöre zur gesellschaftlichen Kultur und dürfe nicht in Tanzschulen einstauben. Denn der Tango lebe erst wirklich durch die Begegnung vieler Menschen.....

 

Quelle: TAZ vom 19.04.2003, Daniela Barth